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ekelias
12:00

Auch der Umstand, dass Indizien für »Fremdeinwirkung«, also einen Mord, nicht gesucht, nicht gesichert, geschweige denn ausgewertet wurden, ist in den Ermittlungsakten nachzulesen. Man hat Nachforschungen unterlassen, die zum Standardprogramm einer Ermittlung zählen – normalerweise. So befand sich in dem ausgebrannten Auto das Handy, der Laptop und eine Videokamera von Florian Heilig. Man kann der Polizei und der leitenden Staatsanwaltschaft vieles zutrauen, nur eines ganz bestimmt nicht: die Bedeutung von Handy und Computer als Beweismittel zu unterschätzen. Selbstverständlich wissen sie darum. Bewegungsprofil, Funkzellenabfrage, Dateien, Fotos, E-Mailverkehr, IP-Adressen, Telefonnummern der Anrufenden – es gehört zu den Selbstverständlichkeiten einer Ermittlung im Todesfall, diese zu sichern und auszuwerten. Nichts findet man dazu in den Ermittlungsakten. Man hat die Beweismittel scheinbar achtlos im Auto liegenlassen.

Auch über die Drohungen, die Florian Heilig von Neonazis erhielt, nachdem er sich entschieden hatte »auszusteigen«, hat man sich ausgeschwiegen. Nicht ein Satz, nicht eine Ermittlung widmet sich diesen.

Florian Heilig war kein Lebensmüder, sondern ein ehemaliger Neonazi, der sich ab Mitte 2011 im Aussteigerprogramm »BIG Rex« des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg befand. Florian Heilig plagte kein Liebeskummer, sondern die Angst, dass ihm als »Verräter« etwas zustoßen könnte. Das lag nicht nur nahe, es war bereits passiert. Ende 2011 wurde er von Neonazis in Heilbronn mit einem Messerstich in den Bauch verletzt. Gegenüber den Eltern machte er deutlich, wovor er wirklich Angst hatte: »Sie finden mich immer, wo immer ich bin.«

All das wusste die Polizei, all das war dem Verfassungsschutz sehr präsent, denn viele der Neonazis, mit denen es Florian Heilig zu tun hatte, waren dem Geheimdienst sehr »vertraut« – wie zum Beispiel Nelly Rühle (NPD), Alexander Heinig (Blood & Honour), Alexander Neidlein (NPD) oder Marcus Frntic (Blood & Honour).

So paradox es auf den ersten Blick erscheinen mag: Florian Heilig war nicht nur für Neonazis eine Gefahr. Er stellte zugleich eine große Gefahr für die bis heute aufrechterhaltene Version von Staatsanwaltschaft, Polizei und Verfassungsschutz dar, die da lautet: Wir hatten gemeinsam 13 Jahre keine Ahnung, keine heiße Spur, die uns zum NSU geführt hätte. Und wir wissen ganz genau, dass der NSU aus drei Mitgliedern bestand.

04.03.2015: Zweifel an Polizeiversion (Tageszeitung junge Welt)
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